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Bernhard Wicki - Das
photographische Werk |
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| 1952 besucht Bernhard Wicki in Luzern eine Fotoausstellung der Gruppe Magnum, die, wie er später sagt, sein ganzes Leben verändern wird. „Ich hatte Film und Photographie immer als zweitrangige Kunstform betrachtet und bis dahin eigentlich fürs Theater und für die Malerei gelebt. In dieser Ausstellung fiel es mir wie Schuppen von den Augen, und ich wusste von dem Moment an: das ist es, was ich im Leben zu tun habe. Ich fuhr nach Paris und begann wie ein Besessener zu photographieren. Übrigens kann ich mich vor allem an ein Bild dieser Ausstellung von Robert Capa erinnern, ein Soldat, der im spanischen Bürgerkrieg erschossen wird, in der einen Hand noch das Gewehr hält und halb in die Luft springt.“ |
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In Wickis erstem großen Kinofilm „Die Brücke“ haben Kinder die Gewehre in der Hand, und sie schießen auch. Unbeirrt und kompromisslos füllt er den Stoff mit Inhalten, die zur Daueraussage seines filmischen Oeuvres werden sollen: ein Film über Verblendung und den Unsinn des Krieges wird zum Paukenschlag und tritt den Siegeszug rund um die Welt an.
Ende der 50er Jahre trägt Wicki zum Ansehen und einer neuen Sicht der Bundesrepublik Deutschland bei und wird somit eine bedeutende Persönlichkeit der Film – und Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts. |
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1960 wurde Bernhard Wicki „in Anerkennung der großen Verdienste, die er sich mit dem Film „Die Brücke“ im Sinne der Friedensarbeit und Völkerverständigung erworben hat“, durch die Vereinten Nationen geehrt. |
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Diese Auszeichnung war ihm Zeit seines Lebens besonders wertvoll. |
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Nicht über das Wort, sondern über das Bild wird Wicki Regisseur.
Die schmerzvollen Erinnerungen seiner gelebten Erfahrungen werden durch die Kamera zu Bildern der Poesie und der Grausamkeit. |
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In den folgenden Jahren werden ‚Wickis Photos auf Ausstellungen und Weltausstellungen der Photographie gezeigt, sowie in zahlreichen Journalen, wie z. B. „time life magazin“ veröffentlicht. |
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„Auszug aus dem Vorwort von Friedrich Dürrenmatt zu dem Photobuch „Zwei Gramm Licht“
von Bernhard Wicki und Georg Ramseger. |
.....Photographie wird zur Dokumentation des Menschengeschlechts. Sie macht unseren Planeten zu unser aller Heimat, denn Heimat ist nur, wovon wir uns ein Bild machen können. Dokumente sagen aus, sie haben nicht vor uns zu bestehen, sondern wir vor ihnen, sie fragen, sie klagen an, sie zeugen von Menschen, von seiner Furcht, von seiner Freude, von seinen Verstecken und Schleichwegen, von seiner Begierde, von seiner Einsamkeit, von seinem Können und von seinem Verlangen. Sie erschüttern durch das, was sie aufzeigen. Wir sind ihnen ausgeliefert, und es ist nötig, dass wir uns ihnen ausliefern. Dem Blick der Kamera ist standzuhalten.
Damit jedoch vor uns ein Papierhändler auftauche, dumpf und schmutzig, ein Atlas unter einem Weltall von Papier, dann wieder das runzelige Antlitz einer Greisin, damit überhaupt alte Frauen wie in bösen Träumen erscheinen, kalt, ohne Illusionen, voll Vergänglichkeit und Bitternis oder in vermodertem Pelzmantel, Zeitungen aus dem Kehricht fischend, damit sich vor uns die Elefantenpuppe eines Schaubudenmonstrums siegreich und doch gedemütigt aufpflanze wie eine weiße Negergöttin, bald ein Weltmetzger mit seinem geschlachteten Opfer, zufrieden das Riesengewicht auf riesigen Schultern wägend, den Schinderlohn schon berechnend, oder ein feister asthmatischer Taubengott, später eine kläffende Bestie, mit der Vordertatze in den Bannkreis eines alten Pneus geraten, ferner etwa ein gestrandetes Automobil irgendwo, nutzlos ausgeweidet, ein Kadaver aus Blech, dann eine Mauer, voller Risse und Schmutz wie eine unendliche Mauer von Zeit, an der einer kauert, über die es kein Hinüber mehr gibt, endlich Bäume wie Korallenriffe, ein Kind schließlich, schlafend, wie achtlos hingeworfen, neben einem Eimer, wenige Kilo Mensch, von niemanden gefragt, damit dies alles auftauche aus der grenzenlosen Anonymität der Menschheit, damit alle diese Bilder und Eindrücke vor unsere Augen geschwemmt werden wie Strandgut, muss die Kamera von jemand ausgelöst, muss beobachtet werden. Der Mensch ist immer wieder nötig. Jeder kann knipsen, auch ein Automat. Aber nicht jeder kann beobachten. Photographieren ist nur in sofern Kunst, als sich seiner die Kunst des Beobachtens bedient.
Damit kommen wir zum Schluss, vom Beobachten zum Beobachter. Zu Bernhard Wicki. Aus einem Schauspieler ist ein großer Filmregisseur geworden, diese Photographien gehören zu seinen Vorbereitungen. Doch glaube ich, darauf hinweisen zu dürfen, dass ich von ihm einige Gedichte kenne. Gute Gedichte. Auch dies scheint mir wichtig. Beobachten ist ein elementar dichterischer Vorgang. Auch die Wirklichkeit muss geformt werden, will man sie zum Sprechen bringen. Dass Wicki von diesem Zusammenhange weiß, zeugen seine Bilder. Sie stellen einen Fischzug ins Menschliche dar. Die Beute ist zeitig und zeitlos zugleich. |
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Grußwort zur Ausstellungseröffnung in der Pinakothek der Moderne am 22. Juni
2005 |
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Bernhard Wicki - Die Person |
Biographie |
Das photographische Werk |
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