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2011 geht der Filmpreis an den Film „In
einer besseren Welt“ und seine dänische Regisseurin Susanne Bier, die für
diesen Film bereits mit einem Oscar® und einem Golden Globe ausgezeichnet wurde.
Das Drama erzählt eindrucksvoll intensiv und zeitlos von Liebe, Rache,
Gerechtigkeit und der Zerbrechlichkeit zwischenmenschlicher Beziehungen. „Dass
‚In einer besseren Welt‘ dabei nicht pädagogisch daherkommt und so schwierig und
uneindeutig wie das Leben selbst ist und sogar eine Art happy End riskiert, das
macht ihn zu einem aufwühlend wertvollen Lebenskrimi. Mit diesem meisterlichen
Werk, erzählt in elegant verwobenen, packenden Geschichten und faszinierenden
Bildern, getragen von einem herausragenden Schauspielerensemble, ist der
dänischen Regisseurin Susanne Bier Großes gelungen“, begründet die Jury des
Bernhard Wicki Filmpreises ihre Entscheidung.
Im
Rahmen der feierlichen Gala im Münchner Cuvilliés-Theater wird der israelische
Diplomat und Publizist Avi Primor als Laudator Susanne Bier den Preis persönlich
überreichen.
Der im
vergangenen Jahr erstmals vergebene Nachwuchspreis des Bernhard Wicki
Filmpreises ist in diesem Jahr bereits fester Bestandteil der Auszeichnungen und
wird gleich doppelt Mal vergeben. Die sehr unterschiedlichen Werke von zwei
jungen Filmemacherinnen werden am 30. Juni mit dem Preis – jeweils dotiert mit
5.000 Euro – geehrt: Regisseurin Yasemin Samdereli für „Almanya – Willkommen
in Deutschland“ und Maggie Peren für „Die Farbe des Ozeans“.
Die
Entscheidung, die an den deutschen Kinokassen äußerst erfolgreiche „Multikulti-Komödie“
Almanya auszuzeichnen, begründet die Jury wie folgt: „‘Almanya‘ ist ein
überraschender Film, der auf berührende und unterhaltsame Weise erzählt, was es
heißt fremd zu sein. (…) Migrationsgeschichten als Komödie ohne dabei leichte
Kost zu sein. Mit fantasievollen Ideen wird zwischen orientalischen und
deutschen Ressentiments und Klischees changiert.“ Philip Koch, 2010 als erster
junger Regisseur mit dem Nachwuchspreis des Bernhard Wicki Filmpreises
ausgezeichnet, wird in diesem Jahr für Yasemin Samdereli Laudator und Preispate
sein.
Mit dem
zweiten Nachwuchspreis des Bernhard Wicki Filmpreis – Die Brücke – Der
Friedenspreis des Deutschen Films 2011 wird Maggie Peren ausgezeichnet. In „Die
Farbe des Ozeans“, ihrer zweiten Regiearbeit, begleitet Peren einen
verzweifelten, afrikanischen Flüchtling und dessen Sohn, einen spanischen
Grenzsoldaten und eine deutsche Touristin, die zufällig Zeugin davon wird, wie
mit den von den todbringender Überfahrt Geschundenen umgegangen wird. Die Jury
begründet: „Sie erzählt diese bittere Geschichte – mit wunderbaren
Schauspielern, allen voran Sabine Timoteo – unprätentiös und zuweilen –
kontrapunktisch zur Thematik – in poetischen Bildern. Ein Film, den man in
seiner Humanität und Radikalität einen Herausragenden nennen darf.“ Als Laudator
für diesen Nachwuchspreis wird Schriftsteller Ilija Trojanow am Abend des 30.
Juni in München sein.
Maximilian Schell, Schauspiellegende, Regisseur, Produzent und langjähriger
Wegbegleiter Bernhard Wickis, wird am 30. Juni 2011 mit dem Ehrenpreis des
Bernhard Wicki Filmpreis ausgezeichnet. Gero von Boehm, der über Maximilian
Schell sagt, „wenn man bei Maximilian Schell von ‚Lebens-Werk‘ spricht, dann
gehört vor allem auch das Leben selbst dazu. Die hohe Achtung vor den Menschen
und eine tiefe Verachtung für das Mittelmaß – im Künstlerischen wie im
Menschlichen“, wird ihn als Laudator ehren.
Zum
zehnjährigen Jubiläum wird im Rahmen des Bernhard Wicki Filmpreis – Die Brücke –
Der Friedenspreis des Deutschen Films erstmals ein undotierter Sonderpreis
vergeben: Dr.Frank Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion
und Bundesaußenminister a.D., wird das einzigartige Projekt „Cinema Jenin“
in München ehren. Die Geschichte des Cinema Jenin begann mit einer Tragödie, die
2005 die Welt erschütterte:
Ismael
Kahtib, dessen Sohn irrtümlich von israelischen Soldaten erschossen wurde,
spendete die Organe seines Sohnes und rettete so das Leben von fünf
palästinensischen und israelischen Kindern. Diese Geschichte erzählt Filmemacher
Marcus Vetter in dem Dokumentarfilm „The Heart of Jenin“. Während der
Dreharbeiten entstand die Idee, das 1987 während der ersten Intifada
geschlossene Kino in Jenin wieder aufzubauen. Der Traum, das alte Kino in Jenin/Westbank
wieder aufzubauen, hat daraufhin eine atemberaubende Geschwindigkeit angenommen.
Im Dezember 2008 gründeten Marcus Vetter, Fakhri Hamad und Ismael Khatib in
Tübingen den Verein Cinema Jenin, um dem Kultur-Projekt im Norden der Westbank
den Weg zu ebnen. August 2010 wurde das Kino in Jenin eröffnet, als Symbol einer
liberalen Haltung, als Zeichen für ein Recht auf Frieden und ein Leben in Würde,
denn Kino, als ein Fenster zur Welt, kann durchaus ein erster Schritt für ein
neues Verständnis des Anderen, des Fremden sein. |
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2010
ging der Preis an die bosnische Regisseurin Jasmila Zbanic für „NA PUTU“.
Der Film, der ab Herbst 2010 in den deutschen Kinos zu sehen war,
beschreibt die auf den ersten Blick sorglose, harmonische Liebesbeziehung von
Luna und Amar in Sarajevo. Er zeigt vor dem Hintergrund der immer noch spürbaren
Schrecken des Bosnien-Krieges auf sehr subtile Weise, wie Menschen in
Krisensituationen nach Ersatz für ihre verlorengegangene „heile Welt“ in
Heilslehren und Religionen suchen, die ihnen scheinbare, vorgefertigte Antworten
geben. Für ihre Darstellung der Umay in
dem Film „Die Fremde“ wurde die Schauspielerin Sibel Kekilli mit dem
Schauspielerpreis des Bernhard Wicki Filmpreis – Die Brücke – Der Friedenspreis
des Deutschen Films ausgezeichnet. In dem Film der Regisseurin Feo Aladag spielt
sie eine junge türkische Mutter, die im starren Familienverband mit seinen
Traditionen und Regeln zerrieben wird.
Erstmals im Jahr 2010 vergab der Bernhard
Wicki Gedächtnis Fonds e.V. einen Nachwuchspreis. Der erste Preisträger – des
ebenfalls mit 5.000 Euro dotierten Preises – war der junge Regisseur Philip
Koch, der mit „Picco“ ein erschütterndes Drama abliefert, so die Jury.
Basierend auf verschiedenen wahren Ereignissen erzählt der Film aus dem Leben
Jugendlicher in deutschen Justizvollzugsanstalten.
Mit dem undotierten Ehrenpreis des Bernhard
Wicki Filmpreis – Die Brücke – Der Friedenspreis des Deutschen Films 2010 wurde
die im Iran geborene Künstlerin Shirin Neshat für ihren Film „Women
without men“ ausgezeichnet. Ab dem 1. Juli 2010 war das bereits mit einem
silbernen Löwen in Venedig preisgekrönte Regiedebüt der vor allem durch ihre
Fotoserie „Women of Allah“ weltweit bekannten Künstlerin auch in den deutschen
Kinos zu sehen. |