|
2012 geht der Filmpreis an den Film „Und
dann der Regen" und seine spanische Regisseurin Iciar Bollaín.
Bollaín’s Film-Epos handelt von Unterdrückung und Ausbeutung einer Gesellschaft
– heute wie vor 500 Jahren: von der brutalen Eroberung Südamerikas durch
Christoph Kolumbus, der Gier nach Gold, der Ermordung und Versklavung der
indianischen Ureinwohner und – ein halbes Jahrtausend später, vom blutig
niedergeschlagenen Aufstand der Einheimischen gegen den Verkauf der Wasserrechte
an einen weltweit agierenden Multikonzern im bolivianischen Cochabamba, von Gold
und Wasser als exemplarische Fälle von Macht und Gier.
„Und
dann der Regen" ist ein Meisterwerk der Filmkunst mit Szenen voll von Poesie und
großer Wucht und Eindringlichkeit, die den Zuschauer nicht mehr loslassen, mit
grandiosen Darstellern und wunderbarer Musik", begründet die Jury ihre
Entscheidung.
Als Laudatorin und Preispatin für Iciar Bollaín wird die dänische Regisseurin
Susanne Bier nach München kommen, die 2011 an selber Stelle mit dem Bernhard
Wicki Filmpreis für ihren – auch mit einem Oscar® und dem Europäischen Filmpreis
ausgezeichneten – Film „In einer besseren Welt" geehrt wurde.
|
|
Mit dem
2010 erstmals verliehenen Nachwuchspreis, ehrt der Fonds in diesem Jahr die
Münchner HFF-Absolventin Michaela Kezele für ihr Regiedebüt „Die Brücke am
Ibar". Der Film erzählt die dramatische Liebesgeschichte einer Serbin und
eines Albaners im Kosovo Krieg 1999, wo ehemals friedlich koexistierende
Nachbarn zu erbitterten Feinden werden.
„Mit ihrem Film ist Michaela Kezele ein zutiefst menschlicher Film gelungen, der
ihre persönliche Haltung überzeugend wiedergibt. Gerade weil sich der Film
kompromisslos auf die persönlichen Schicksale einlässt und beschränkt, ist die
humanistische Aussage und Botschaft klar und unmissverständlich", schreibt die
Jury des Preises in ihrer Begründung.
Die
kroatische Schauspielerin Zrinka Cvitesic spielt die Hauptrolle in Kezeles Film
und wird dafür mit dem Schauspielerpreis des Bernhard Wicki Filmpreis – Die
Brücke – Der Friedenspreis des Deutschen Films 2012 geehrt. „Die charismatische
Schauspielerin erlaubt uns, in die Tiefe ihrer Seele einzutauchen, in einen
Monolog ohne Worte – zuweilen in die Wirren ihrer nicht heilen wollenden
Verwundungen, zuweilen in die hoffnungsvolle Sehnsucht nach Liebe", begründen
die Juroren.
Im
Rahmen des 30. Filmfest München feiert der Film „Die Brücke am Ibar" am
Dienstag, 3. Juli 2012 seine Weltpremiere in Anwesenheit von Cast und Crew.
Der
Ehrenpreis des Bernhard Wicki Filmpreis – Die Brücke – Der Friedenspreis des
Deutschen Films 2012 geht an Michael Verhoeven, den großen deutschen
Regisseur, vor allem aber an den überragenden Filmkünstler und integren
Menschen. Das Credo seines gesamten filmischen Oevre ist der Kampf um das Recht
auf ein menschenwürdiges Leben. „Immer gelingt es Verhoeven aus der konkreten
Geschichte, das zu machen, was ein Kunstwerk über andere hinaushebt", heißt es
in der Begründung der Jury. Die Laudatio für den Ehrenpreisträger Michael
Verhoeven wird Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur und Medien halten.
Als Laudatoren werden Kulturstaatsminister Bernd
Neumann, BR Fernsehdirektorin Bettina Reitz, Schauspieler Florian David Fitz und
die Oscar® prämierte Regisseurin Susanne Bier erwartet |
|
2011 ging der Filmpreis an den Film „In
einer besseren Welt“ und seine dänische Regisseurin Susanne Bier, die für
diesen Film bereits mit einem Oscar® und einem Golden Globe ausgezeichnet wurde.
Das Drama erzählt eindrucksvoll intensiv und zeitlos von Liebe, Rache,
Gerechtigkeit und der Zerbrechlichkeit zwischenmenschlicher Beziehungen. „Dass
‚In einer besseren Welt‘ dabei nicht pädagogisch daherkommt und so schwierig und
uneindeutig wie das Leben selbst ist und sogar eine Art happy End riskiert, das
macht ihn zu einem aufwühlend wertvollen Lebenskrimi. Mit diesem meisterlichen
Werk, erzählt in elegant verwobenen, packenden Geschichten und faszinierenden
Bildern, getragen von einem herausragenden Schauspielerensemble, ist der
dänischen Regisseurin Susanne Bier Großes gelungen“, begründet die Jury des
Bernhard Wicki Filmpreises ihre Entscheidung.
Im
Rahmen der feierlichen Gala im Münchner Cuvilliés-Theater hat der israelische
Diplomat und Publizist Avi Primor als Laudator Susanne Bier den Preis persönlich
überreicht.
Der im
vergangenen Jahr erstmals vergebene Nachwuchspreis des Bernhard Wicki
Filmpreises war in diesem Jahr bereits fester Bestandteil der Auszeichnungen und
wird gleich doppelt vergeben. Die sehr unterschiedlichen Werke von zwei
jungen Filmemacherinnen wurden am 30. Juni mit dem Preis – jeweils dotiert mit
5.000 Euro – geehrt: Regisseurin Yasemin Samdereli für „Almanya – Willkommen
in Deutschland“ und Maggie Peren für „Die Farbe des Ozeans“.
Die
Entscheidung, die an den deutschen Kinokassen äußerst erfolgreiche „Multikulti-Komödie“
Almanya auszuzeichnen, begründete die Jury wie folgt: „‘Almanya‘ ist ein
überraschender Film, der auf berührende und unterhaltsame Weise erzählt, was es
heißt fremd zu sein. (…) Migrationsgeschichten als Komödie ohne dabei leichte
Kost zu sein. Mit fantasievollen Ideen wird zwischen orientalischen und
deutschen Ressentiments und Klischees changiert.“ Philip Koch, 2010 als erster
junger Regisseur mit dem Nachwuchspreis des Bernhard Wicki Filmpreises
ausgezeichnet, wird in diesem Jahr für Yasemin Samdereli Laudator und Preispate
sein.
Mit dem
zweiten Nachwuchspreis des Bernhard Wicki Filmpreis – Die Brücke – Der
Friedenspreis des Deutschen Films 2011 wurde Maggie Peren ausgezeichnet. In „Die
Farbe des Ozeans“, ihrer zweiten Regiearbeit, begleitet Peren einen
verzweifelten, afrikanischen Flüchtling und dessen Sohn, einen spanischen
Grenzsoldaten und eine deutsche Touristin, die zufällig Zeugin davon wird, wie
mit den von den todbringender Überfahrt Geschundenen umgegangen wird. Die Jury
begründete: „Sie erzählt diese bittere Geschichte – mit wunderbaren
Schauspielern, allen voran Sabine Timoteo – unprätentiös und zuweilen –
kontrapunktisch zur Thematik – in poetischen Bildern. Ein Film, den man in
seiner Humanität und Radikalität einen Herausragenden nennen darf.“ Als Laudator
für diesen Nachwuchspreis war Schriftsteller Ilija Trojanow am Abend des 30.
Juni in München.
Maximilian Schell, Schauspiellegende, Regisseur, Produzent und langjähriger
Wegbegleiter Bernhard Wickis, wurde am 30. Juni 2011 mit dem Ehrenpreis des
Bernhard Wicki Filmpreis ausgezeichnet. Gero von Boehm, der über Maximilian
Schell sagt, „wenn man bei Maximilian Schell von ‚Lebens-Werk‘ spricht, dann
gehört vor allem auch das Leben selbst dazu. Die hohe Achtung vor den Menschen
und eine tiefe Verachtung für das Mittelmaß – im Künstlerischen wie im
Menschlichen“, hat ihn als Laudator geehrt.
Zum
zehnjährigen Jubiläum wurde im Rahmen des Bernhard Wicki Filmpreis – Die Brücke –
Der Friedenspreis des Deutschen Films erstmals ein undotierter Sonderpreis
vergeben: Dr.Frank Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion
und Bundesaußenminister a.D., hat das einzigartige Projekt „Cinema Jenin“
in München geehrt. Die Geschichte des Cinema Jenin begann mit einer Tragödie, die
2005 die Welt erschütterte:
Ismael
Kahtib, dessen Sohn irrtümlich von israelischen Soldaten erschossen wurde,
spendete die Organe seines Sohnes und rettete so das Leben von fünf
palästinensischen und israelischen Kindern. Diese Geschichte erzählt Filmemacher
Marcus Vetter in dem Dokumentarfilm „The Heart of Jenin“. Während der
Dreharbeiten entstand die Idee, das 1987 während der ersten Intifada
geschlossene Kino in Jenin wieder aufzubauen. Der Traum, das alte Kino in Jenin/Westbank
wieder aufzubauen, hat daraufhin eine atemberaubende Geschwindigkeit angenommen.
Im Dezember 2008 gründeten Marcus Vetter, Fakhri Hamad und Ismael Khatib in
Tübingen den Verein Cinema Jenin, um dem Kultur-Projekt im Norden der Westbank
den Weg zu ebnen. August 2010 wurde das Kino in Jenin eröffnet, als Symbol einer
liberalen Haltung, als Zeichen für ein Recht auf Frieden und ein Leben in Würde,
denn Kino, als ein Fenster zur Welt, kann durchaus ein erster Schritt für ein
neues Verständnis des Anderen, des Fremden sein. |
|
2010
ging der Preis an die bosnische Regisseurin Jasmila Zbanic für „NA PUTU“.
Der Film, der ab Herbst 2010 in den deutschen Kinos zu sehen war,
beschreibt die auf den ersten Blick sorglose, harmonische Liebesbeziehung von
Luna und Amar in Sarajevo. Er zeigt vor dem Hintergrund der immer noch spürbaren
Schrecken des Bosnien-Krieges auf sehr subtile Weise, wie Menschen in
Krisensituationen nach Ersatz für ihre verlorengegangene „heile Welt“ in
Heilslehren und Religionen suchen, die ihnen scheinbare, vorgefertigte Antworten
geben. Für ihre Darstellung der Umay in
dem Film „Die Fremde“ wurde die Schauspielerin Sibel Kekilli mit dem
Schauspielerpreis des Bernhard Wicki Filmpreis – Die Brücke – Der Friedenspreis
des Deutschen Films ausgezeichnet. In dem Film der Regisseurin Feo Aladag spielt
sie eine junge türkische Mutter, die im starren Familienverband mit seinen
Traditionen und Regeln zerrieben wird.
Erstmals im Jahr 2010 vergab der Bernhard
Wicki Gedächtnis Fonds e.V. einen Nachwuchspreis. Der erste Preisträger – des
ebenfalls mit 5.000 Euro dotierten Preises – war der junge Regisseur Philip
Koch, der mit „Picco“ ein erschütterndes Drama abliefert, so die Jury.
Basierend auf verschiedenen wahren Ereignissen erzählt der Film aus dem Leben
Jugendlicher in deutschen Justizvollzugsanstalten.
Mit dem undotierten Ehrenpreis des Bernhard
Wicki Filmpreis – Die Brücke – Der Friedenspreis des Deutschen Films 2010 wurde
die im Iran geborene Künstlerin Shirin Neshat für ihren Film „Women
without men“ ausgezeichnet. Ab dem 1. Juli 2010 war das bereits mit einem
silbernen Löwen in Venedig preisgekrönte Regiedebüt der vor allem durch ihre
Fotoserie „Women of Allah“ weltweit bekannten Künstlerin auch in den deutschen
Kinos zu sehen. |