Liebe Jury, 
hier findet ihr alle momentan zur Debatte stehenden Filme ggfs. inklusive Screening-Link sowie jeweils aktuell Informationen zum Timing für den 21. Friedenspreis des Deutschen Films - Die Brücke am Dienstag, 21. Juni 2022. 
Euer Feedback wie immer gern telefonisch und / oder per E-Mail!

Stand, 31.03.2022
- Sortierung nach aktuellen Entscheidungen
- ggfs. Kandidat Debüt "Trümmermädchen"

 

EHRENPREIS

Kenneth Brannagh - ANFRAGE LÄUFT / KONTAKT BESTEHT
 

INTERNATIONALER REGIEPREIS

La Fracture / In den besten Händen
>>> Preisträger International 2022, Alamode klärt Verfügbarkeit Catherine Corsini (31.03.)

Screener:   https://vimeo.com/668545448
Passwort:  best€h@nde

Frankkreich, 1 Std. 38 Min. / Tragikomödie, Drama, Komödie
Regie: Catherine Corsini
Drehbuch: Catherine Corsini, Catherine Corsini
Besetzung: Valeria Bruni Tedeschi, Marina Foïs, Pio Marmaï
21.04. Kinostart in Deutschland

Raf (Valeria Bruni Tedeschi) und Julie (Marina Foïs), ein Paar am Rande der Trennung, finden sich am Abend einer Pariser Gelbwesten-Demonstration in einer Notaufnahme wieder, wo sie fast ersticken. Ihre Begegnung mit Yann (Pio Marmaï), einem wütenden und verletzten Demonstranten, wird die Gewissheiten und Vorurteile der beiden erschüttern. Draußen steigt die Spannung. Das Krankenhaus steht unter Druck und muss seine Türen schließen. Das Personal ist überwältigt. Es wird eine lange Nacht werden... 

Filmwebsite: https://www.alamodefilm.de/kino/detail/in-den-besten-haenden.html


NATIONALER REGIEPREIS

Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush
>>> Preisträger National 2022, Andreas Dresen ist informiert

Murat ist weg. Inhaftiert im US-Gefangenenlager Guantanamo. Rabiye Kurnaz, Bremer Hausfrau und liebende Mutter, versteht die Welt nicht mehr. Geht zur Polizei, informiert Behörden und verzweifelt fast an ihrer Ohnmacht. Bis sie Bernhard Docke findet. Der zurückhaltende, besonnene Menschenrechtsanwalt und die temperamentvolle, türkische Mutter – sie kämpfen nun Seite an Seite für die Freilassung von Murat. Papier ist geduldig, Rabiye ist es nicht. Eigentlich möchte sie nur zurück zur Familie in ihr Reihenhaus und wird doch immer wieder in die Weltgeschichte katapultiert. Sie zieht mit Bernhard bis vor den Supreme Court nach Washington, um gegen George W. Bush zu klagen. Bernhard gibt dabei auf sie acht. Und Rabiye bringt ihn zum Lachen. Mit Herz und Seele. Mit letzter Kraft. Und am Ende geschieht, was niemand mehr für möglich hält. 

RABIYE KURNAZ GEGEN GEORGE W. BUSH ist die siebte gemeinsame Arbeit von Andreas Dresen (Regie) und Laila Stieler (Drehbuch). Ein Film über Recht und Willkür. Ein Film über Menschen, die über sich hinauswachsen. Mit überwältigender Präsenz und erdigem Alltagswitz gibt Meltem Kaptan als Rabiye Kurnaz ihr Kinodebüt. Alexander Scheer spielt mit geduldiger Zurückhaltung den Menschenrechtsanwalt Bernhard Docke. In weiteren Rollen agieren Charly Hübner, Nazmi Kirik und Sevda Polat. 

RABIYE KURNAZ GEGEN GEORGE W. BUSH feiert Weltpremiere im Wettbewerb der 72. Internationalen Filmfestspiele Berlin 2022.
Link zum Presseheft

 

DEBÜTPREIS

ggfs. prüfen: Trümmermädchen
https://ucm.one/de/truemmermaedchen-die-geschichte-der-charlotte-schumann/

Deutschland 1946. Hunger, Trümmer und heimkehrende Soldaten. Die junge Charlotte ist schwanger, aber ihr geliebter Heimkehrer Ludwig will weder sie noch sein Kind. Um ihn für sich zu gewinnen und der drohenden Schande zu entgehen, schreibt sie sich für den "Fräuleinkurs" der Schauspielerin Gloria Deven ein, die im Faschismus ein aufstrebendes Filmsternchen war und nun Arbeitsverbot hat. Auf der Straße sagt man, dass man in dem Kurs lerne, wie man jeden Mann gewinne und an sich binde. Doch Gloria ist mit ihrem gnadenlosen Unterricht nicht daran interessiert die im Krieg unnötig gewordene Koketterie der Mädchen wiederzubeleben. Stattdessen erweckt sie in ihren Schülerinnen die Sehnsucht nach etwas, dass ihnen zu lange schon verwehrt wird: Freiheit. 

Sie bildet aus den verunsicherten Frauen ein Kollektiv, das sich radikal gegen das Patriarchat stellt. Eine Utopie scheint möglich, doch dann kommen die Wunden der Vergangenheit wieder zum Vorschein. 

Dieser Film will kein Historienfilm sein, denn er bildet keine angebliche Realität ab. Stattdessen nutzt TRÜMMERMÄDCHEN den historischen Kontext, um ein Thema zu behandeln, das aktueller nicht sein könnte und dabei die Frage zu stellen, wieso sich in Deutschland, das doch von Frauen wieder aufgebaut wurde, so schnell wieder das Patriarchat durchgesetzt hat. 

Regisseur Oliver Kracht
Schauspieler Anna Gesa-Raija Lappe, Henning Flüsloh, Katja Hutko, Lara Feith, Laura Balzer, Lena Urzendowsky, Philipp Karner, Till Wonka, Valery Tscheplanowa
Jahr 2021
Länge 117 Minuten
Genre Spielfilm
Produktion Marco Grönwoldt, Lennart Lenzing

 

SPEZIALPREIS

Klondike
>>> Preisträger Special, Produktion klärt Verfügbarkeit Maryna Er Gorbach(31.03.)

Drama, Current Affairs
100 min, FSK 18
Director Maryna Er Gorbach
Written by Maryna Er Gorbach
Cast Oksana Cherkashyna, Sergey Shadrin, Oleg Scherbina
Country TurkeyUkraine
Release date 17.03.2022

The story of a Ukrainian family living on the border of Russia and Ukraine during the start of the war. Irka refuses to leave her house even as the village gets captured by armed forces. Shortly after they find themselves at the center of an international air crash catastrophe on July 17, 2014.

July 2014. The heavily pregnant Irka lives with her husband Tolik in a village in the eastern Ukrainian region of Donetsk. There is fighting on the nearby Russian-Ukrainian border. A wall is missing in the living room of her house, it fell victim to the fighting. The view of the barren landscape, which becomes the theater of war, is unobstructed. Irka still doesn't want to leave her home. While Tolik's Separatist friends expect him to join their fight, Irka's brother accuses him of betraying Ukraine. When a Malaysian Airlines plane crashes nearby, Irka and Tolik initially think of another act of war. But the shooting down of passenger flight MH17 by a Russian anti-missile is an accident. The Ukrainian director Maryna Er Gorbach tells her sensitive family drama against the background of a military conflict. She skilfully interweaves the personal and political history of the struggles in Ukraine and, with a carefully groping camera and excellent actors, vividly shows the horror of war.

>>>Screener
Elisabeth: https://pro.festivalscope.com/i/10359/FuDAcm9Jt/40d501a92
Carlos: https://pro.festivalscope.com/i/10359/FuDAcm9Jt/154f99563
Gabriele: https://pro.festivalscope.com/i/10359/FuDAcm9Jt/dea260800
Adrian: https://pro.festivalscope.com/i/10359/FuDAcm9Jt/00c5a198c
Fritz https://pro.festivalscope.com/i/10359/FuDAcm9Jt/7837da51c
Bettina https://pro.festivalscope.com/i/10359/FuDAcm9Jt/f9a10e49c
Markus https://pro.festivalscope.com/i/10359/FuDAcm9Jt/053fed106

VORLÄUFIG "AUSSORTIERT"

Quentin Tarantino - ABSAGE
Pedro Almodovar - ABSAGE


Where Is Anne Frank
>>> Screeninglink angefragt

Regie: Ari Folman
Titel Where Is Anne Frank (2021)
Originaltitel Where Is Anne Frank
FSK keine Angabe
Regie Ari Folman
Genre Animationsfilm, Drama, Geschichte
Cannes 2021
Cannes 2021 Out of Competition

Ari Folman folgt in seinem Film Kitty, jener imaginären Freundin, der Anne Frank ihr Tagebuch gewidmet hat. Er zeigt sie als Teeanger in der heutigen Zeit, die in der Nachbarschaft von Anne Franks Haus in Amsterdam aufwächst und die sich auf den Weg macht, um Anne zu suchen, da sie davon überzeugt ist, dass diese noch lebt.

Link zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Szho8UrNnc0


Europe
Deutschland 2022, 
105 Minuten, 1:1,85, 
Regie & Schnitt: Philip Scheffner
Buch Merle Kröger, Philip Scheffner

EUROPE (OmU) Screener https://vimeo.com/650301621
PW: GFeurope2022! 

Die Bushaltestelle „Europe“ liegt an einer Ausfallstraße der französischen Stadt Chatellerault in einem kleinen Banlieue. Ein paar Blocks, eine Brasserie, ein Kebabladen und ein Bus, der zwischen Krankenhaus und Wald, einem Naherholungsgebiet vor der Stadt pendelt. Hier lebt Zohra Hamadi, 32, deren Sommer mit dem Ende einer langen Krankengeschichte beginnt. Zum ersten Mal in ihrem Leben kann Zohra aufrecht gehen, fast schmerzfrei – sie könne ab jetzt ein ganz normales Leben führen, sagt der Arzt, dem sie ihre körperliche Freiheit verdankt. Ein ganz normales Leben: Zohra hat ihre Wohnung in einem der Blocks, rundherum wohnen Familie und Freunde, Arbeit hat sie bei einer NGO gefunden, die mit Altkleidern handelt. Wäre da nur nicht ihr Ehemann Hocine, der in Algerien darauf wartet, endlich ein Visum im Rahmen der Familienzusammenführung zu bekommen und das nächste Flugzeug zu Zohra nach Frankreich zu besteigen.

Es ist Sommer, Ende Juli, und ganz Frankreich bereitet sich auf die Ferien vor, diesseits und jenseits des Mittelmeers. Zohra braucht nur noch die Verlängerung ihrer Aufenthaltsgenehmigung, dann wird auch sie aufbrechen, um wenigstens ein paar Wochen mit Hocine in den algerischen Bergen zu verbringen. Doch die Verlängerung bleibt aus: Mit dem Ende ihrer Behandlung verliert Zohra ihr Aufenthaltsrecht in Frankreich. Sie wird – für ihr Umfeld wie für das Kinopublikum – zu einer in die Unsichtbarkeit verbannten, zum Schweigen gebrachten Protagonistin. Nur durch die Augen und die Reaktionen der anderen wird spürbar, wie Zohra um die Rettung ihres Lebens in der ersehnten Normalität ringt: wie sie keine Schwäche zeigen will, sich in Lügen verstrickt, wie ihre Welt bröckelt. Zohra verliert ihre Arbeit und ihre Wohnung. Familie und Freunde brechen auf, sie bleibt allein zurück in einer entleerten Welt.

Diese entleerte Welt wird für Zohra, ausgestattet mit einer Handvoll Schlüssel für die Wohnungen der anderen, zur Bühne. Sie wird sichtbar, indem sie ihre Zukunft erfindet, und nicht nur eine, sondern verschiedene, die sie in Varianten durchspielt. Ihre Fiktionen, mal subtil, mal anmaßend bürgerlich, surfen knapp über dem Boden der Tatsachen und ziehen uns in ein Verwirrspiel parallel sich entfaltender Realitäten. Sie lebt mit Hocine oder auch nicht, hat eine Familie, vielleicht, einen neuen Job, eine Aufenthaltsgenehmigung.

Mit dem Wiedererlangen ihrer fiktionalen Sichtbarkeit beginnt für Zohra der Kampf um ihren Platz in Europa, auch wenn sie dafür immer häufiger das Szenario wechseln muss. Dadurch bekommt sie etwas Transparentes, Geisterhaftes – aus der Flüchtenden wird eine Flüchtige, die sich dem systematischen Griff der staatlichen Gewalten entzieht.

Der erste Spielfilm des renommierten Dokumentarfilmregisseurs Philip Scheffner (HAVARIE, REVISION) feiert seine Weltpremiere im Forum der 72. Berlinale 2022.

Link zum Presseheft

 

Schweigend steht der Wald

Screener https://vimeo.com/676772671
Passwort: Silent2022

Drama | Deutschland 2022 | Minuten
Regie: Saralisa Volm
Berlinale 2022, Perspektive Deutsches Kino 2022


Darsteller:  Henriette Confurius (Anja Grimm) · Christina Baumer (Susanne Heim) · Noah Saavedra (Rupert Gollas) · August Zirner (Gustav Dallmann) · Johanna Bittenbinder (Waltraud Gollas) · Robert Stadlober (Konrad Dallmann) · Johannes Herrschmann (Franz Gollas) · Günther Brenner (Chef der Baufirma) · Astrid Polak (Anna Leybach) · Moritz Katzmair (Markus Obermüller) · Anita Eichhorn (Rezeptionistin)

Als Anja acht Jahre alt war, ist ihr Vater spurlos verschwunden. Inzwischen ist viel passiert und sie kehrt als Praktikantin der Forstwirtschaft ausgerechnet in das Waldgebiet zurück, in dem ihr Vater zuletzt gesehen wurde. Kurz nachdem sie wieder in ihrer alten Heimat angekommen ist, versetzt ein Selbstmord den Ort in Unruhe. Alle glauben, dass der Tod in Zusammenhang mit dem Verschwinden von Anjas Vater steht. Doch als die Forstpraktikantin im Boden des Waldes auf Unregelmäßigkeiten stößt, die weitere Hinweise auf Schuld und Verdrängung liefern, löst das eine Katastrophe aus...
Zur Website: Schweigend steht der Wald

 

 

Vidblysk  / Reflection
Regie: Valentyn Vasyanovych, Ukraine

Screener: https://screeners.cinesend.com/view/623188ce9d10e51407452c9a

Inhalt
In raffininiert arrangierten Tableaus entspinnt sich diese Erzählung über das Weiterleben nach einer Katastrophe – als filmischer Widerschein eines Krieges, der immer noch andauert. Der ukrainische Chirurg Serhiy wird im östlichen Kriegsgebiet seines Landes von russischen Streitkräften gefangen genommen. Während seiner Gefangenschaft erlebt er entsetzliche Szenen der Erniedrigung, Gewalt und Gleichgültigkeit gegenüber dem menschlichen Leben. Nach seiner Freilassung kehrt er in seine aufgeräumte Mittelklassewohnung zurück und versucht, seine Beziehung zu seiner Tochter und seiner Ex-Frau wieder aufzubauen. Er lernt, wieder ein Mensch zu sein, der da ist, wenn man ihn braucht.

Regie
VALENTYN VASYANOVYCH (*1971) studierte Kamera und Dokumentarfilm an der Filmuniversität in Kiew und Regie an der Andrzej Wajda School in Warschau. Mit seinem international gefeierten Debütfilm Atlantis war er 2019 bei FILMFEST HAMBURG zu Gast. 

Ukrainian surgeon Serhiy is captured by the Russian military forces in the conflict zone in Eastern Ukraine and while in captivity, he is exposed to horrifying scenes of humiliation, violence and indifference towards human life. After his release, he returns to his comfortable middle-class apartment and tries to find a purpose in life by rebuilding his relationship with his daughter and ex-wife. He learns how to be a human being again, how to be a father and help his daughter, who needs his love and support.

Director's statement
The beginning of my work on this story was inspired by a pigeon. It crashed against our window, flying at a high speed. The pattern that was left was both beautiful and horrifying. The detailed imprint of the wings, the bloody trace from the impact of the head, feathers that stuck to the glass: my 10-year-old daughter saw it all. In the next days, we were affected by this event. Her worries, questions, expectations of miraculous resurrection, denial of the irreversibility of this event, and attempts to understand death from a child's point of view prompted me to write a story about a father-daughter relationship in the midst of grieving over the death of a loved one.

The death of one of the characters is connected to the war, which continues in the eastern part of the Ukraine. By connecting the comfortable day-to-day life of the capital city with the deadly reality of the war, we establish a high intensity background for a story about children's fears and their first encounters with real death, and highlight the helplessness of adults. It is a translucent story about the child's realisation that human life is finite. This is also a story about the responsibilities of adults to loved ones, to themselves, and the whole world in which they fulfil their potential. The child and the adult will help each other to understand this cruel and beautiful world, so similar to the imprint of the pigeon on the glass.

Filmgespräch: https://www.filmfesthamburg.de/film/vidblysk/
Zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=ukEVqlPhgaw   

 

 

Illusions perdues / Lost Illusions
Regie: Xavier Giannoli

In „Lost Illusions“, seiner Verfilmung des dreibändigen Romanepos „Verlorene Illusionen“ von Honoré de Balzac, erzählt Xavier Giannoli („Madame Marguerite“) zunächst von einem jungen Dichter, der in der französischen Provinz zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit seiner naiven Poesie das Herz seiner adeligen Gönnerin zu erobern versucht. Bei Kostümen und Ausstattung wird sichtlich größtmöglicher Aufwand betrieben – und der makellose Hochglanzlook lässt den Historienfilm wie jede zweite Prestigeproduktion des Genres aussehen. Man stellt sich innerlich also bereits auf knapp zweieinhalb Stunden erlesene Langeweile ein … … als der Film nach etwa einer halben Stunde seinen eigentlichen Kern erreicht: „Lost Illusions“ handelt nun von rasend schnell an Einfluss gewinnenden Influencern in Goldgräberstimmung und von mächtigen Trollfabriken, die mit ihren Propagandataktiken das Schicksal ganzer Gesellschaften und Nationen mitbestimmen können. „Lost Illusions“ wirkt dann nicht nur hochaktuell – sondern entwickelt als historische Variante von Martin Scorseses Fragwürdiger-Reichtum-Extravaganz „The Wolf Of Wall Street“ einen erstaunlichen Sog. Die allzu klassische Inszenierung hält den Film aber auch in diesen Momenten zurück. 

Nachdem er seiner verheirateten Gönnerin Louise (Cécile de France) allzu öffentlich Avancen gemacht hat, muss der naive Nachwuchsschriftsteller Lucien (Benjamin Voisin) nach Paris fliehen. Hier erhält er zwar von dem Verleger Dauriat (Gérard Depardieu), einem früheren Obsthändler, der selbst weder Schreiben noch Lesen kann, eine harsche Abfuhr. Aber dafür nimmt ihn der Boulevardjournalist Etienne Lousteau (Vincent Lacoste) unter seine Fittiche.

Lucien erarbeitet sich vor allem mit seinen gehässigen Verrissen von Romanen und skandalösen Portraits berühmter Persönlichkeiten eine treue Leserschaft. Er wird zu jeder Feier selbst in der gehobenen Gesellschaft eingeladen – allein schon deshalb, weil selbst die Reichen und Einflussreichen plötzlich Angst vor ihm und seiner spitzen Feder haben. Lucien verfügt mit seiner Reichweite über eine ungemeine (Meinungs-)Macht – aber seine Artikel bringen ihm im selben Moment auch eine Menge Feinde in hohen Positionen ein…

Influencer sind keine Erfindung der Neuzeit
Die Klatschblätter schossen in dem unregulierten Markt in der Zeit nach der Französischen Revolution wie Pilze aus dem Boden – und erreichten nach der Erfindung vereinfachter Drucktechniken innerhalb kürzester Zeit unfassbare Auflagen. Das allerdings weniger mit mühevoller Recherche – sondern mit dem Verbreiten möglichst skandalöser Gerüchte und Verleumdungen.

Ihr Geld verdienten die Redakteure, indem sie sich für Artikel fürstlich bezahlen ließen – nur eben nicht von ihrer Zeitung, sondern von Buchverlegern, Theaterveranstaltern oder Politikern. Romane und Stücke wurden gnadenlos verrissen oder über den grünen Klee gelobt, je nachdem, was dem Meistbietenden gerade in den Kram passte. Alle wussten Bescheid – und doch spielten sie alle mit, um nicht selbst unter die Räder der alles zermahlenden, ständig Rachekampagnen fahrenden Boulevardpresse zu geraten. Oder wie der Axel-Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner 200 Jahre später feststellte: Wer mit der Bild-Zeitung im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten. 

Obwohl er sich in seiner Kunst zunächst noch so aufrichtig und standhaft zeigt, kann Lucien dem immer rasanteren Strudel aus Macht und Geld, Alkohol und Haschisch, Liebe und Rache so gut wie nichts entgegensetzen – und auch das Publikum wird von dem ebenso unmoralischen wie einträglichen Treiben in den Redaktionen, Bars und Theatern fast zwangsläufig mitgerissen. Eine faszinierend abgründige, aber eben auch berauschende Erfahrung, die Xavier Giannoli zwar nicht unbedingt mit inszenatorischer Finesse, aber doch zumindest mit einem spürbaren Anziehen des Erzähltempos zusätzlich befeuert. 

Natürlich kommt irgendwann der tragische Crash – dieser Genre-Regel konnte sich schließlich selbst Scorsese nie entziehen. Aber bis dahin gibt es in „Lost Illusions“ noch etliche Details, die sich erschreckend einfach auf heutige Erscheinungen übertragen lassen. Zum Beispiel den Vorläufer der modernen, die Meinungsbildung in den sozialen Medien maßgeblich beeinflussenden Trollfabriken. So befehligt der seine Dienste an den Höchstbietenden verkaufende Singali (Jean-François Stévenin) etwa eine ganze Gruppe von Theatergänger*innen, mit denen er regelmäßig das Applaudieren, Buhen und Tomatenwerfen trainiert – so kann er jedes neue Stück entweder zum Hit oder zum Flop machen, völlig unabhängig davon, was auf der Bühne wirklich geschieht… 

Fazit: Es ist immer wieder erstaunlich, wenn man feststellt, dass ganz und gar heutig wirkende Entwicklungen und Probleme in Wahrheit früher schon (fast) genauso existiert haben. Nur schade, dass Xavier Giannoli seiner thematisch hochaktuellen Balzac-Verfilmung das Korsett eines durch und durch klassizistischen Historienfilms angelegt hat. „Lost Illusions“ ist trotzdem ziemlich kurzweilig und auf jeden Fall sehenswert – aber mit etwas mehr inszenatorischem Mut wäre da eben noch mehr drin gewesen. 

Wir haben „Lost Illusions“ auf dem Filmfestival in Venedig gesehen, wo er als Teil des offiziellen Wettbewerbs gezeigt wurde.
Aus Filmstarts: https://www.filmstarts.de/kritiken/273621/kritik.html
Zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=fc68AURE-O0

 

Maternal
Regie: Maura Delpero

Maura Delpero (*1975) studierte Literatur in Bologna und Paris und Dramaturgie in Buenos Aires. Nach einigen international preisgekrönten Dokumentarfilmen ist Maternal ihr Spielfilmdebüt.

IT/ARG, 2019, 91 min., Farbe, OmU, FSK: 12

In einem italienischen religiösen Zentrum für jugendliche Mütter in Buenos Aires treffen die gegensätzlichen Welten von drei verschiedenen Frauen aufeinander. Die beiden 17-jährigen Lu und Fati sind Kinder, die plötzlich zu Müttern geworden sind und mit ihren Kindern in dem Heim wohnen. Fati steht im Schatten einer schwierigen Vergangenheit. Lus Wunsch ist es, dem Wohnheim zu entkommen, um mit dem zusammen zu sein, für den ihr Herz schlägt, ein brutaler Kerl, dem nicht allzu viel an ihr zu liegen scheint. Die beiden Freundinnen streiten sich immer wieder, aber sie lieben und brauchen einander.

Schwester Paola ist gerade aus Italien gekommen, um ihr Noviziat zu beenden und ihr letztes Gelübde abzugeben. Dass sie so jung ist, macht es ihr leicht, eine Beziehung zu den Mädchen aufzubauen und langsam gerät das Gleichgewicht des Wohnheims aus den Fugen.

Paola entwickelt eine enge Bindung zu Fati, was Lu gar nicht gut findet. Sie ist eifersüchtig, fühlt sich immer einsamer und sehnt sich mehr und mehr danach, ihren Lover zu treffen. Das Dilemma zwischen der Sehnsucht nach ihm und der Liebe zu ihrer Tochter Nina wird für Lu immer größer. Eines Nachts schleicht sie sich über den Balkon aus dem Wohnheim und lässt dort ihre Tochter zurück.

Während sie weg ist, übernimmt Schwester Paola das Sorgerecht für Nina. Für die junge Nonne, die sich um das kleine Mädchen kümmert, bedeutet das Glück und Sorge zugleich. In der kurzen Zeit, in der sie die Mutterrolle für Nina übernimmt, wächst die Zuneigung zu dem Kind in ihr. Unterdessen werden tiefe Zweifel in ihrem Herzen geweckt. Sie ist in einem Zwiespalt verschiedener Gefühle. Der Zeitpunkt ihres letzten Gelübdes nähert sich, aber so richtig glücklich ist sie nicht.

Dank Schwester Paola entdeckt auch Fati einen neuen Zugang zu ihrem Dasein als Mutter. Als Lu plötzlich wiederkommt, müssen sowohl sie als auch Schwester Paola sich den Konsequenzen ihres Handelns stellen und sich damit auseinandersetzen, welche Rolle das Muttersein für sie spielt.

Zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=YCzLggsNSGI
 

Evolution
Regie: Kornél Mundruczó
Buch: Kornél Mundruczó, Katá Weber
Cast: Padmé Hamdemir, Goya Rego uvm
Produktion: The Match Factory, Proton Cinema
Ko-Produktion: ARTE, ZDF, Proton Theatre
Verleih Deutschland: Port au Prince Pictures

Großmutter, Mutter und Sohn, gleichzeitig Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Eine Geschichte, die tief in die psychologischen Untiefen des Holocaust, des Traumas, der persönlichen Identifikation und schlussendlich des wachsenden Antisemitismus in einer scheinbar liberalen Gesellschaft eindringt.

Mit ihrem neuen Spielfilm EVOLUTION kehren Regisseur Kornél Mundruczó und Autorin Katá Weber nach dem Erfolg ihres Oscar-nominierten englischsprachigen Debüts PIECES OF A WOMAN im Rahmen der Cannes Premiere zurück an die Croisette: Über drei Generationen folgt EVOLUTION dem Schicksal der Mitglieder einer jüdischen Familie von 1945 bis heute. 

Der Film ist eine Produktion von Match Factory Productions und der ungarischen Proton Cinema in Zusammenarbeit mit ZDF/ARTE und Proton Theatre. Gefördert wurde die Produktion von der Film- und Medienstiftung NRW, der MDM, dem National Film Institute Hungary, dem DFFF und der Hungarian Film Incentive. Die Port au Prince Pictures wird EVOLUTION als deutscher Verleih in die Kinos bringen, den Weltvertrieb übernimmt The Match Factory.

Zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=K3u4FKjSaPg&t=3s  

 

Vidblysk  / Reflection
Regie: Valentyn Vasyanovych, Ukraine

Inhalt
In raffininiert arrangierten Tableaus entspinnt sich diese Erzählung über das Weiterleben nach einer Katastrophe – als filmischer Widerschein eines Krieges, der immer noch andauert. Der ukrainische Chirurg Serhiy wird im östlichen Kriegsgebiet seines Landes von russischen Streitkräften gefangen genommen. Während seiner Gefangenschaft erlebt er entsetzliche Szenen der Erniedrigung, Gewalt und Gleichgültigkeit gegenüber dem menschlichen Leben. Nach seiner Freilassung kehrt er in seine aufgeräumte Mittelklassewohnung zurück und versucht, seine Beziehung zu seiner Tochter und seiner Ex-Frau wieder aufzubauen. Er lernt, wieder ein Mensch zu sein, der da ist, wenn man ihn braucht.

Regie
VALENTYN VASYANOVYCH (*1971) studierte Kamera und Dokumentarfilm an der Filmuniversität in Kiew und Regie an der Andrzej Wajda School in Warschau. Mit seinem international gefeierten Debütfilm Atlantis war er 2019 bei FILMFEST HAMBURG zu Gast. 

Ukrainian surgeon Serhiy is captured by the Russian military forces in the conflict zone in Eastern Ukraine and while in captivity, he is exposed to horrifying scenes of humiliation, violence and indifference towards human life.
After his release, he returns to his comfortable middle-class apartment and tries to find a purpose in life by rebuilding his relationship with his daughter and ex-wife.
He learns how to be a human being again, how to be a father and help his daughter, who needs his love and support.

Director's statement
The beginning of my work on this story was inspired by a pigeon. It crashed against our window, flying at a high speed. The pattern that was left was both beautiful and horrifying. The detailed imprint of the wings, the bloody trace from the impact of the head, feathers that stuck to the glass: my 10-year-old daughter saw it all. In the next days, we were affected by this event. Her worries, questions, expectations of miraculous resurrection, denial of the irreversibility of this event, and attempts to understand death from a child's point of view prompted me to write a story about a father-daughter relationship in the midst of grieving over the death of a loved one.

The death of one of the characters is connected to the war, which continues in the eastern part of the Ukraine. By connecting the comfortable day-to-day life of the capital city with the deadly reality of the war, we establish a high intensity background for a story about children's fears and their first encounters with real death, and highlight the helplessness of adults. It is a translucent story about the child's realisation that human life is finite. This is also a story about the responsibilities of adults to loved ones, to themselves, and the whole world in which they fulfil their potential. The child and the adult will help each other to understand this cruel and beautiful world, so similar to the imprint of the pigeon on the glass.

Filmgespräch: https://www.filmfesthamburg.de/film/vidblysk/
Zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=ukEVqlPhgaw   

 

The Translator
A film by Rana Kazkaz & Anas Khalaf
With:                  Ziad BAKRI, Yuman MARWAN, David FIELD, Sawsan ARSHEED,
Miranda TAPSELL, Reem ALI, Carlos CHAHINE, Rami FARAH,
Fares HELOU, Zayd KHALAF, Ramzi MAQDISI et avec Kamel EL BASHA
Script:                 Rana KAZKAZ & Magali NEGRONI
Original idea:     Rana KAZKAZ & Anas KHALAF
Producers:         Nicolas LEPRETRE & Raphaël ALEXANDRE, Anas KHALAF

Having gotten into trouble with the Syrian government, Sami has been living for years as a political refugee in Australia, working as an Arabic–English translator. And although he has adapted well to his new life, he is haunted by feelings of guilt for having abandoned his brother and sister. In 2011, the Syrian revolution starts unexpectedly, and Sami receives a video of his brother being arrested for peacefully demonstrating. 

The horrifying event brings up painful memories of when their father was similarly arrested by the regime thirty years earlier. Seizing this moment as a way to make up for the past, Sami makes the dangerous journey back to Syria in order to find his brother. Once there, Sami becomes increasingly aware of his responsibility towards his country and family, leading him just like his father and brother did—to risk everything for freedom.

Zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=x_mcAYWAHwk  

Leave no traces
Der polnische Beitrag "Żeby nie było śladów" ("Leave No Traces") zeigt, wie im Polen des Jahres 1983 – die kommunistischen Behörden haben das Kriegsrecht verhängt – die Menschrechte mit Füßen getreten werden. Seine unmittelbare Wirkung entfaltet der Film durch das schmutzige 16-mm-Filmmaterial, mit dem er gedreht wurde, und durch das intensive Spiel seiner Darsteller. Nach einer Romanvorlage von Cezary Łazarewicz erzählt der Film die wahre Geschichte des von einer Polizeistreife zu Tode geprügelten Grzegorz Przemyk – Sohn der vielbewunderten Dichterin und Regimekritikerin Barbara Sadowska – und seines Freundes Jurek Popiel (Tomasz Zietek), der die Tat bezeugen kann und trotz Drangsalierungen seitens der Behörden nicht von seiner Version abweicht.

Der Film des polnischen Regisseurs Jan P. Matuszyński widmet sich eindringlich den Bemühungen des korrupten Staatsapparats, den Fall herunterzuspielen. Als eine große Anzahl Trauernder hinter Przemyks Sarg durch die Straßen Warschaus marschieren, beschließen die Behörden, mit allen Mitteln gegen den Zeugen und die Mutter des Verstorbenen vorzugehen. Es geht den Machthabern darum, die Hinterbliebenen zu diskreditieren und Jurek an einer Aussage vor Gericht zu hindern. Während die Dichterin Sadowska am Ende kleinbei gibt, lässt sich Jurek bis zum Schluss nicht einschüchtern. 

Zu den stärksten Szenen zählt Jureks Kreuzverhör vor Gericht durch die Staatsanwältin (so durchtrieben wie stark geschminkt: Aleksandra Konieczna), die mit allen Wassern der psychologischen Kriegsführung gewaschen ist. Der Titel "Leave No Traces" besagt, dass die Schläger angewiesen werden, dem Deliquenten keine sichtbaren Verletzungen zuzufügen. In einer Zeit, in der in Polen Recht und Meinungsfreiheit erneut wenig geachtet werden, wünscht man dem überaus gelungenen Stück Politkino eine große Zuschauerschaft.

aus Monopol https://www.monopol-magazin.de/leave-no-traces-filmfestival-venedig
Zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=QNzhs5f4Osg 
 

Non Odiare / Thou shalt not hate
Directed by Mauro Mancini (erster Feature Langfilm!)
Italy, 2021
Drama
Italian
96 minutes

In a city in the northeast, a Central European non-place, a combination of heterogeneous history, different ethnic groups, and with an old Jewish community lives Simone Segre (Alessandro Gassmann), an established surgeon of Jewish origin: he has a quiet life, he lives in an elegant apartment and he has no ties to the past. One day, Simone rescues a man who has been the victim of a hit-and-run driver. 

But when he discovers a Nazi tattoo on his chest, he abandons him to his fate. However, Simone feels so guilty for the man's death to the point of tracking down the neo-Nazi family: Marica, the eldest daughter (Sara Serraiocco); Marcello (Luka Zunic), the teenage son also infected by the seed of racial hatred; the "little" Paolo (Lorenzo Buonora). The night will come when Marica will knock on Simone's door , forcing him to face the consequences of his actions.

Der Film wurde in der Sektion Settimana della Critica beim diesjährigen Filmfest von Venedig vorgestellt und der Hauptdarsteller Alessandro Gassmann wurde mit dem Preis “Francesco Pasinetti” für den besten männlichen Darsteller ausgezeichnet.
Erzählt wird die Geschichte von Simone Segre, einem anerkannten Chirurg mit jüdischen Wurzeln, in einer Stadt im Nordosten von Italien: ein beschauliches Leben, eine elegante Wohnung und keinerlei Verbindung zur Vergangenheit. Eines Tages muss er einem Mann helfen, der einem Verkehrsrowdy zum Opfer gefallen ist. Als er ein Nazi-Tattoo auf dessen Brust entdeckt, überlässt er ihn seinem Schicksal. Von Gewissensbissen geplagt, sucht er die Familie des Mannes: Marica, die älteste Tochter, der Teenager Marcello, der ebenfalls mit dem Virus des Rassenhasses infiziert ist und der kleine Paolo. Die Geschichte inspiriert sich frei an einer wahren Begebenheit in Paderborn, wo ein jüdischer Arzt sich geweigert hat, einen Patienten mit einem Nazi-Tattoo auf dem Arm zu operieren.

Zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=h8QD5ydVPSA

 

Ballade von der weißen Kuh
Filmstart: 04.02.2022
Regie: Behtash Sanaeeha, Maryam Moghaddam
Mit: Maryam Moghaddam, Alireza Sanifar, Pourya Rahimisam, Avin Purraoufi 

Eindringlich und in meisterlichen Bildkompositionen erzählt der iranische Film von den Folgen eines fatalen Justizirrtums und wirft die Frage nach moralischer und gesellschaftlicher Schuld auf.

Ihrer kleinen Tochter erzählt Mina, dass der Papa weit weg wäre. In Wirklichkeit wurde er hingerichtet. Ein Jahr nach seinem Tod erfährt Mina, dass ihr Mann unschuldig war. Die Behörden stellen ihr eine finanzielle Entschädigung in Aussicht, doch Mina nimmt den Kampf gegen ein menschenverachtendes System auf und fordert mehr als nur materielle Wiedergutmachung. Eines Tages begegnet Mina einem Freund ihres Mannes, der eine alte Schuld begleichen will. Mina lässt ihn in ihr Leben, ohne sein Geheimnis zu kennen.

Eindringlich und in meisterlichen Bildkompositionen erzählt der Film von den Folgen eines fatalen Justizirrtums. Mit großer Intensität und starkem Spiel beeindruckt Regisseurin Maryam Moghaddam als Mina, die mutig ihren Weg geht und die Frage nach moralischer und gesellschaftlicher Schuld aufwirft. BALLADE VON DER WEISSEN KUH ist großes iranisches Kino, das tief berührt.

Zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=eTRBm0FOk9I
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ERGÄNZT: Minari
Jacob beginnt mit seiner Familie ein neues Leben auf einer kleinen Farm in Arkansas. Seine Frau Monica und die beiden Kinder David und Anne fühlen sich jedoch fremd in ihrer neuen Heimat. Als ihre schlagfertige Großmutter Soon-ja aus Korea zu ihnen zieht, gelingt es dieser zusammen mit ihrem lebhaften Enkelsohn David auf unkonventionelle Art und Weise, der gesamten Familie den Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft zu ebnen.
MINARI wurde mit zahlreichen Film- und Festivalpreisen ausgezeichnet, darunter ein Oscar® und ein Golden Globe®. Insgesamt war der Film für sechs Oscars® nominiert - unter anderem in den Hauptkategorien „Bester Film“ und „Beste Regie“.

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ERGÄNZT: Hit the Road
Iran, 2021, Directed by Panah Panahi

A chaotic family is on a road trip across a rugged landscape. In the back seat, Dad has a broken leg, Mom tries to laugh when she’s not holding back tears, and the youngest keeps exploding into car karaoke. Only the older brother is quiet.

Artikel in THE GUARDIAN
Artikel in Screen Daily

 

ERGÄNZT: Belfast
24. Februar 2022 Im Kino / 1 Std. 39 Min. / Drama
Regie: Kenneth Branagh
Drehbuch: Kenneth Branagh
Besetzung: Caitriona Balfe, Jamie Dornan, Ciarán Hinds

Sommer 1969 in der nordirischen Hauptstadt. Der neunjährige Buddy (Jude Hill), Sohn einer typischen Familie aus der Arbeiterklasse, liebt Kinobesuche, Matchbox-Autos und seine hingebungsvollen Großeltern, außerdem schwärmt er für eine seiner Mitschülerinnen. Doch als die gesellschaftspolitischen Spannungen in Belfast eskalieren und es sogar in der sonst so harmonischen Nachbarschaft zu Gewaltausbrüchen kommt, findet seine idyllische Kindheit ein jähes Ende. Und während sein in England arbeitender Vater und seine besorgte Mutter die Zukunft der Familie zu sichern versuchen, bleibt Buddy nichts anderes übrig, als langsam erwachsen zu werden – und trotzdem die Lebensfreude, das Lachen und seine von Film und Fernsehen beflügelte Fantasie nicht zu verlieren.

Artikel in The Guardian
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No Name Restaurant
Drehbuch und Regie:     Stefan Sarazin, Peter Kelle
Darsteller:                        Luzer Twersky, Hitham Omari, Makram Khoury, Raida Adon, Yussuf Abu-Warda u.a.
Redaktion:                       Cornelia Ackers (BR), Carlos Gerstenhauer (BR), Monika Lobkowicz (BR/ARTE)
Produktion:                     enigma film (Produzent: Fritjof Hohagen) in Koproduktion mit Marlen von Isny, Christoph Fisser für Studio Babelsberg, Waheed Zahmani für D-Facto Motion und Nicole Swidler, 

in Zusammenarbeit mit BR und ARTE, gefördert von FFF Bayern, FFA, Medienboard Berlin-Brandenburg und DFFF, mit Unterstützung von ARRI Rental

Drehzeit: Dezember 2017 und 1. April – 15. Mai 2019
Drehorte: Israel, Jordanien

NO NAME RESTAURANT Screener https://vimeo.com/680398121
PW: enigma

BR/ARTE-Kinokoproduktion "No Name Restaurant"
Derzeit wird die BR/ARTE-Kinokoproduktion "No Name Restaurant" gedreht. Regie und Drehbuch dieser Komödie um die drei Weltreligionen verantworten Stefan Sarazin ("Nitschewo") und Peter Keller, die für das Drehbuch bereits mit dem Deutschen Drehbuchpreis ausgezeichnet wurden.

"No Name Restaurant" erzählt die abteuerliche Reise des orthodoxen Juden Ben (Luzer Twersky, "Transparent","One of us") von Jerusalem nach Alexandria. Außerdem sind u.a. Hitham Omari ("Bethlehem"), Makram Khoury ("Eine Geschichte von Liebe und Finsternis", "Homeland"), Raida Adon ("Fauda") und Yussuf Abu-Warda ("Willkommen in Amerika") Teil der internationalen Besetzung. Der Kinostart ist für 2020 geplant.

Ben (Luzer Twersky), ein junger orthodoxer Jude aus Brooklyn, besucht seinen Onkel in Jerusalem, der für ihn eine Braut finden soll. Doch dazu kommt es gar nicht erst, stattdessen wird er gleich nach seiner Ankunft mit einer höchst wichtigen Mission beauftragt. Binnen einer Woche muss er von Jerusalem nach Alexandria reisen, um dort als dringend benötigter zehnter Mann am Pessachfest teilzunehmen. Falls der Gottesdienst nicht stattfindet, wird die einst größte jüdische Gemeinde der Welt geschlossen und ihr gesamter Besitz fällt an den verhassten Chef der Stadtverwaltung. Pech für Ben, dass er mitten in der Wüste Sinai aus dem Bus geworfen wird. Die einzige Hoffnung, sein Ziel noch rechtzeitig zu erreichen, ist ausgerechnet der Araber Adel (Hitham Omari), ein mürrischer Beduine, der allerdings gerade mit der Suche nach seinem entlaufenen Kamel beschäftigt ist. Als Adels klappriges Auto prompt auch noch den Geist aufgibt, wird die Zeit knapp.

NO NAME RESTAURANT ist eine Produktion von Fritjof Hohagen von enigma  in Zusammenarbeit mit dem BR und arte, für die Cornelia Ackers und Carlos Gerstenhauer die Redaktion übernehmen. Koproduzenten sind Marlen von Isny, Christoph Fisser für Studio Babelsberg und WaheedZahmani für D-Facto Motion und Nicole Swidler. Die Produktion wird von ARRI Rental unterstützt.

Gefördert wurde das Projekt vom FFF Bayern, der FFA, dem Medienboard Berlin-Brandenburg und dem DFFF. 
Alpenrepublik bringt die ebenso amüsante wie nachdenkliche Culture-Clash-Komödie über ein schier unglaubliches Abenteuer 2022 in die deutschen Kinos.


Große Freiheit
Regie: Sebastian Meise
Mit: Franz Rogowski, Georg Friedrich, Anton von Lucke, Thomas Prenn
SEIT 18. NOVEMBER 2021 IM KINO!!

Vom KZ direkt ins Gefängnis: Als ihn nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus Soldaten der Alliierten aus dem Konzentrationslager befreien, landet Hans Hoffmann wegen seiner Homosexualität im Regelvollzug. Denn der berüchtigte Paragraph 175, der Homosexualität unter Strafe stellt, ist in Westdeutschland unverändert in Kraft.

Im Gefängnis begegnet Hans dem verurteilten Mörder Viktor. Der will mit einem “175-er” nichts zu tun haben. Doch Hans’ rebellischer, stoischer Stolz, der sich auf dem Gefängnishof und gegen die Willkür der Wärter zu behaupten weiß, nötigt ihm Respekt ab. Wieder und wieder landet Hans im Gefängnis, und immer ist da Viktor. Eine Schicksalsgemeinschaft, verbunden durch eine unstillbare Sehnsucht nach Freiheit und Leben. Oder ist es am Ende, allen Widerständen zum Trotz, Liebe?

“Der Film ist von bedrängender Intensität; visuell, darstellerisch, inszenatorisch. Ein großer Wurf, der ohne viele Worte den Filmtitel von Rosa von Praunheims Klassiker ausbuchstabiert, dass nicht der Homosexuelle, sondern die Situation pervers ist, in der er lebt.” (Filmdienst)

Der sagenhafte Filmpreisregen für Sebastian Meises herausragendes Drama GROSSE FREIHEIT mit den begeisternden Hauptdarstellern Franz Rogowski und Georg Friedrich nimmt kein Ende – nun auch auf der Shortlist für den Oscar als bester internationaler Film! Und ja, liebe deutsche Presse, der Film ist der österreichische Oscar-Kandidat, aber er ist trotzdem eine paritätische deutsch-österreichische Koproduktion – das darf man ruhig mal erwähnen und sich doppelt freuen. Herzlichen Glückwunsch an Sebastian Meise, die Produzent*innen von Freibeuter und Rohfilm Productions und alle Beteiligten!

GROSSE FREIHEIT erzählt die Geschichte von Hans (Franz Rogowski), der der wiederholten Inhaftierung aufgrund des §175 seinen ungeheuren Lebensmut entgegensetzt und der immer wieder dem mitinhaftierten Viktor (Georg Friedrich) begegnen wird, der zunächst alles andere als ein Seelenverwandter ist.

Die atemberaubende Performance der beiden Hauptdarsteller Franz Rogowski und Georg Friedrich, die herausragende Bildgestaltung der französischen Kamerafrau Crystel Fournier und Sebastian Meises intensive Inszenierung machen GROSSE FREIHEIT zum hoch emotionalen Kinoerlebnis.

  • Festival de Cannes 2021, Un Certain Regard: Preis der Jury
  • Offizieller österreichischer Kandidat Academy Award: Best International Film
  • Sarajevo Film Festival 2021: Bester Film • CICAE Award • Bester Schauspieler: Georg Friedrich
  • Festival 2 Cinéma Valenciennes 2021 : Grand Prix – Bester Film • Bester Schauspieler: Franz Rogowski
  • Athen International Film Festival 2021: Publikumspreis • Preis der griechischen Filmkritik: Beste Regie
  • Hamptons International Film Festival 2021: Special Jury Prize for Exceptional Performances – Franz Rogowski
  • Festival du Nouveau Cinéma De Montréal 2021: Louve d’Or – Bester Film
  • Waterloo Historical Film Festival 2021: Bester Schauspieler: Franz Rogowski
  • Viennale 2021: Wiener Filmpreis, Erste Bank Mehrwert Filmpreis

Zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=JUxNfDoAQE8

 

Meinen Hass bekommt ihr nicht >>> auf Liste für 2023
Kinostart: 10.11.2022

Die Anschlagsserie am 13. November 2015 in Paris vor dem Stade de France sowie in den Ausgehvierteln im 10. und 11. Arrondissement zählt zu den schlimmsten in der französischen Nachkriegsgeschichte und forderte insgesamt 130 Menschenleben.

Auch Antoine Leiris (Pierre Deladonchamps) sah seine Frau Hélène (Camélia Jordana) an jenem Abend zum letzten Mal. Sie wurde mit 89 weiteren Personen während eines Konzerts im Pariser Club Le Bataclan Opfer eines Terroranschlags. Während Frankreich traumatisiert versucht, eine Erklärung für das Unfassbare zu finden, postet Antoine einen offenen Brief auf Facebook. In bewegenden Worten wendet sich der Journalist darin an die Attentäter: "Freitagabend habt ihr das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Sohnes. Aber meinen Hass bekommt ihr nicht...". Die Botschaft geht um die Welt - die Zeitung Le Monde druckt den Text auf ihrer Titelseite. Fünf Tage nach dem Anschlag sitzt Antoine in einem Fernsehstudio. Interviews mit BBC und CNN folgen. Doch der nach außen so tapfere Antoine kämpft innerlich mit dem Hass, dem er eigentlich keinen Raum geben wollte. Erst als er merkt, wie sehr sein kleiner Sohn Melvil (Zoé Iorio) ihn braucht, stellt Antoine sich seiner Aufgabe: Zu leben, ohne den Verlust auszublenden und einen Neubeginn zu wagen. Einen Neubeginn, der um die Fragilität des Glücks weiß, aber den Glauben an ein gutes Morgen nicht verliert.

MEINEN HASS BEKOMMT IHR NICHT wird produziert von Komplizen Film, in Koproduktion mit Haut & Court (Frankreich) und Frakas Productions (Belgien). Weitere Koproduzenten auf deutscher Seite sind NDR/arte, TOBIS, Erfttal Film- und Fernsehproduktion und MMC Movies Köln.

TOBIS wird den Film in die deutschen und österreichischen Kinos bringen. Den Weltvertrieb hat Beta Cinema übernommen.
Quelle: Tobis Film / Kosmosmedia

 

ERGÄNZT: Das Glaszimmer
Genre   Kinder- und Familienfilm
Herstellungsland            Deutschland
Herstellungsjahr             2020

1945, kurz vor Kriegsende: Anna (Lisa Wagner) und ihr elfjähriger Sohn Felix (Xari Wimbauer) fliehen aus dem zerbombten München aufs Land in das Anwesen einer verstorbenen Tante. Dort gibt es direkt unter dem Dachboden ein verstecktes, magisch funkelndes "Glaszimmer" – der perfekte Raum zum Spielen für Felix. In der Nachbarschaft führt Ortsgruppenleiter Feik (Philipp Hochmair) ein strenges "Endsieg"-Regiment, er drangsaliert die Einwohner. Sein Sohn Karri (Luis Vorbach) eifert ihm nach und versucht, Felix für sich zu gewinnen. Während Anna kaum die überzeugte Nationalsozialistin spielen kann, schwankt Felix zwischen Abscheu und Begeisterung. Er ist stolz auf seinen Vater Bernd (Hans Löw), der an der Front dient. Kaum haben sich Mutter und Sohn eingelebt, überbringt Feik die Nachricht von Bernds Tod. Anna und Felix sind erschüttert. Doch eines Nachts klopft ein Soldat ans Fenster – Felix' Vater. Ein Deserteur?
(ZDF, 03.06.2019)

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